Das ethische Engagement des Mittelstandes kommt auf den Prüfstand
"Deutscher Preis für Wirtschaftsethik" wird im November verliehen
Eine Studie der Meinungsforscher von Gallup fällt ernüchternd aus: 70 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung halten Konzernchefs für unehrlich. Zwar stammen die Negativschlagzeilen meist aus Großunternehmen, dennoch werden für deren Verfehlungen gern alle Manager kritisiert. Doch abseits der öffentlichen Diskussion übernehmen viele Unternehmer ganz selbstverständlich ihre gesellschaftliche Verantwortung. Vor allem Mittelständler, die seit Generationen mit ihrem Standort verwurzelt sind, wollen mehr als Gewinnmaximierung um jeden Preis – und belegen gleichzeitig, dass sich Gewinn und Moral nicht ausschließen. Um ihre Leistung zu würdigen und Vorbilder zu schaffen, startete Anfang des Jahres das bundesweite Projekt "Ethics in Business".
Das Projekt will das ethische Engagement des Mittelstandes auf den Prüfstand stellen. Wer in diesem Unternehmensvergleich hervorragend abschneidet, erhält das Gütesiegel "Ethics in Business 2005", der Beste wird mit dem "Deutschen Preis für Wirtschaftsethik" ausgezeichnet. "Das Projekt möchte ethisches Handeln der Unternehmen sichtbar machen und das Vertrauen in die mittelständische Wirtschaft stärken", erklärt Dr. Jürgen Heraeus. Der Vorsitzende der Heraeus Holding unterstützt "Ethics in Business" ebenso wie Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp und Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender der REpower Systems AG. Beide sind Mitglieder der “Ethics in Business”-Jury.
Anders als manche Manager von Großkonzernen werden viele Mittelständler tagtäglich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht. Sie tauschen sich aus mit ihren Mitarbeitern, engagieren sich sozial an ihrem Standort und investieren in ein Umweltmanagement. Durch eine Positivauswahl will das Projekt die Leistung dieser Vorreiter würdigen und damit andere zum Nachahmen anstecken. Geprüft wird der Umgang der Firmen mit den Menschen und der Umwelt, auch "Corporate Social Responsibility“ (CSR) genannt. Nur wer sozial und ökologisch nachhaltig wirtschaftet, darf das Gütesiegel "Ethics in Business 2005" tragen.
Um die Unternehmen zu vergleichen, entwickelte die Ratingagentur oekom research AG unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Wagner von der Universität Augsburg, ein Benchmarking- Verfahren. Der Kriterienkatalog fragt etwa nach umweltverträglichen Produktionsprozessen und dem effizienten Nutzen der Ressourcen, nach Mitspracherechten und Chancengleichheit am Arbeitsplatz oder sozialen Standards der Zulieferer. Mittelständler konnten sich dieses Jahr erstmals um den Deutschen Preis für Wirtschaftsethik bewerben. Nun entscheidet eine Jury, wer die Auszeichnung entgegennehmen darf. Schirmherr Ulrich Wickert überreicht den Preis im November.
Viele Mittelständler übernehmen Verantwortung für ihre Mitarbeiter. So verspricht Wolfgang Grupp "Ich garantiere nicht nur jedem Kind meiner Mitarbeiter einen Arbeitsplatz, sondern biete auch jedem Mitarbeiterkind nach dessen Schulabgang einen Ausbildungsplatz." Mittelständler kümmern sich um ein System zum Umweltmanagement, sie richten Betriebskindergärten ein und stiften Geld für Museen. Vahrenholt betont, dass nachhaltiges Wirtschaften heute "kein Luxus, sondern eine notwendige Managementaufgabe für jedes Unternehmen ist und sich doppelt auszahlt.“ So werden Produkte nachhaltig wirtschaftender Unternehmen bei Kaufentscheidungen immer öfter bevorzugt. "Kapitalanleger setzen verstärkt auf ethisch korrekte Unternehmen“, ergänzt oekom-Vorstand Robert Haßler.
Friedhelm Denkeler, 14.08.2005, Quelle: Pressemitteilung
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