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Gewinn und Moral schließen sich nicht aus

“Deutscher Preis für Wirtschaftsethik“ in Berlin verliehen

Ethisches Handeln in der Wirtschaft ist ein wichtiger Baustein für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens, so lautet ein zentrales Ergebnis der bundesweiten Vergleichsstudie ETHICS IN BUSINESS. Untersucht wurden 41 Mittelständler, die sich zu ethischem und nachhaltigem Wirtschaften verpflichtet haben. Durchschnittlich erzielten diese Unternehmen in den letzten zwei Jahren eine Wachstumsrate von 28,5 Prozent des Umsatzes. Gut zwei Drittel von ihnen konnten in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit Arbeitsplätze schaffen. Auf der anderen Seite haben 90 Prozent der Betriebe in der letzten Zeit Maßnahmen getroffen, um  Ressourcen- verbrauch und Emissionen zu verringern. Zudem zeigen sie alle großes soziales Engagement. Die Analyse dokumentiert jedoch auch, dass bei allen Firmen noch Potenziale bestehen.

Für ethisch handelnde Unternehmen ist verantwortungsvolles Marketing eine Selbstverständlichkeit. Deshalb schulen zwei Drittel der Teilnehmer ihre Mitarbeiter in fairen Marketingmethoden. Geschäftspartner hingegen könnten stärker zu ethischem Wirtschaften angehalten werden, denn lediglich rund ein Viertel verlangt von seinen Geschäftspartnern beispielsweise explizit das Einhalten bestimmter Arbeitnehmerrechte. Bei den Gehältern der Firmenlenker hat man das rechte Maß behalten: Ein Großteil der Geschäftsführer verdient weniger als fünfmal so viel wie der normale Arbeitnehmer. Ein Vorstand bei den DAX30-Unternehmen hingegen hat etwa das 25-, ein Vorstandsvorsitzender häufig das 150-fache des durchschnittlichen Gehaltes.

Durch Gleitzeit, Teilzeit oder Jahresarbeitszeitkonten und Heimarbeitsplätze versuchen alle Teilnehmer, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Kinderbetreuung oder betriebliches Kindergeld indes bietet nur ein Viertel und auch die Anzahl der Frauen in Führungspositionen lässt zu wünschen übrig – nur bei einem knappen Drittel sind sie in der Führungsriege entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbelegschaft vertreten. Um das vorhandene Potenzial voll auszuschöpfen, ist jedoch ein systematischeres Vorgehen notwendig. Beispielhaft werden drei konkrete Maßnahmen benannt: das Überprüfen des ökologischen und sozialen Engagements der Zulieferer, das Erstellen von Richtlinien und Kontrollmaßnahmen für faires Wettbewerbsverhalten und Gesetzestreue sowie weitergehende Initiativen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Im Umweltschutz setzen die 41 Mittelständler vor allem beim Energieverbrauch an. Niedrigenergiebauweise ist bei Neubauten quasi Standard und 38 Prozent der Teilnehmer beziehen Strom oder Wärme aus regenerativen Energieträgern. Über 90 Prozent erfassen Verbrauchsdaten systematisch – zu Steuerungszwecken werden sie jedoch zu wenig genutzt. Mehr als die Hälfte arbeitet mit einem Umweltmanagementsystem, bei einem Viertel befindet es sich in der Planungs- und Aufbauphase. Lieferanten werden bei 71 Prozent der Teilnehmer einer strukturierten ökologischen Bewertung unterzogen. Zwar schreiben im produzierenden Gewerbe alle die Berücksichtigung von Umweltaspekten groß, nur wenige beachten jedoch bereits in der Produktentwicklung systematisch Umwelteinflüsse während des ganzen Lebenszyklusses.

Die J. Schmalz GmbH aus Glatten im Schwarzwald ist der erste Träger des “Deutschen Preises für Wirtschaftsethik“. Mit dem Preis für Schmalz würdigt die hochkarätig besetzte Jury das überaus vielseitige soziale wie ökologische Engagement des Vakuumspezialisten. Insbesondere die Systematik, die dahinter steht, erachtete das Gremium als beispielhaft, da sie auf lange Sicht gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften ermöglicht. Auch die übrigen Teilnehmer präsentieren sich sehr überzeugend und beweisen eindrücklich, dass ökonomischer Erfolg und Verantwortung für Mensch und Umwelt zusammengehören. Dafür erhalten sie das Gütesiegel ETHICS IN BUSINESS. Schirmherr Ulrich Wickert überreichte am 2. November in Berlin die Trophäe an Kurt und Wolfgang Schmalz, die Geschäftsführer der J. Schmalz GmbH.

”Die J. Schmalz GmbH, mit ihren 350 Mitarbeitern und davon 70 Beschäftigten im Ausland, ist ein mustergültiger und würdiger Preisträger. Denn sie zeigt eindrücklich, dass die Formalisierung des ethischen Handelns auch in kleinen Unternehmen möglich ist und maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. Im wahrsten Sinne ein nachahmenswerter Vorreiter“ begründet Dr. Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Jurymitglied das Votum des Gremiums. Angefangen hat Schmalz 1910 mit der Produktion von Rasierklingen. Heute stellt das Unternehmen hochkomplexe Komponenten und Systeme her, die mit dem Vakuumprinzip arbeiten. Sie sind in beeindruckender Weise ökologisch motiviert, sozial engagiert – und gleichzeitig innovativ und wirtschaftlich erfolgreich.

Friedhelm Denkeler, 03.11.2005, Quelle: Pressemitteilungen

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