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Nur noch 0,75 Prozent Wachstum für 2005?

Vor allem das geschwundene Vertrauen der Bürger und Investoren entzieht dem erhofften Aufschwung fast jede Grundlage

Für das laufende Jahr rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln, nur noch mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 0,75 Prozent. Da vorerst die Impulse fehlen, die die Binnennachfrage stärken könnten, wird das Wachstum auch im Jahr 2006 kaum mehr als ein Prozent betragen. Insbesonde bei den Investitionen hakt es. Mit einer Zunahme der realen Ausrüstungen um 3 Prozent in diesem und 4 Prozent im nächsten Jahr kann die deutsche Volkswirtschaft ihr Investitionsdefizit kaum abbauen. Im Bausektor, wo die Investitionen abermals um 2,5 Prozent (2005) bzw. 2 Prozent (2006) zurückgehen, lässt eine Erholung weiterhin auf sich warten.

Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung der Betriebe, Modernisierungs- und Erweiterungs- maßnahmen anzugehen, ist das mangelnde Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Dass von weiteren ordnungspolitischen Reformen nichts zu sehen ist, verhindert einen Stimmungsumschwung ebenso wie die wahltaktisch und ideologisch geprägte Kapitalismus-Debatte.

Dabei erweist sich der Export nach wie vor als Rettungsanker der deutschen Wirtschaft. Ohne die im Warenhandel erzielten Ausfuhrüberschüsse würde die preisbereinigte Wirtschaftsleistung in diesem Jahr stagnieren und auch 2006 nur halb so groß wie veranschlagt sein. Dabei prognostiziert das IW für beide Jahre einen Anstieg der realen Exporte um jeweils 4,5 Prozent. Bei den Importen wird der Zuwachs auf je 4 Prozent veranschlagt.

Wenn die Konjunktur sich im Kriechgang bewegt, kann die Beschäftigung nicht zum Spurt ansetzen: Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte sich daher im laufenden wie im kommenden Jahr nur um jeweils 120.000 erhöhen - ein mageres Plus von je 0,3 Prozent. Nach 4,8 Millionen im Durchschnitt des Jahres 2005 werden 2006 wohl noch immer 4,7 Millionen Menschen arbeitslos sein.

Die schwache Erholung am Arbeitsmarkt sorgt zusammen mit dem Kaufkraftentzug infolge der hohen Energiekosten dafür, dass auch der private Verbrauch fast auf der Stelle tritt. Nach 0,5 Prozent in diesem Jahr dürfte der reale Konsum auch 2006 nur um 0,75 Prozent höher ausfallen. Soll der Wirtschaftsmotor in Zukunft rundlaufen, müssen Politiker, Gewerkschaften und Unternehmen das Vertrauen in die Zukunft Deutschlands wiederherstellen. Ohne langfristige Reformen, die die Angebotskräfte stärken, geht es dabei nicht.

Friedhelm Denkeler, 10.05.2005, Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln

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