Krankenstand sinkt auf Rekordtief
Angst vor Arbeitsplatzverlust läßt die Fehlzeiten im ersten Halbjahr 2003 auf 3,7 Prozent sinken. Krankenstand in Berliner Betrieben am höchsten
Die krankheitsbedingten Fehlzeiten in den Betrieben sind im ersten Halbjahr 2003 auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sanken die Krankenstände gegenüber dem ersten Halbjahr 2002 von 4,2 Prozent auf 3,7 Prozent. Im gesamten Jahr 2002 waren an den Stichtagen im Durchschnitt bundesweit 4,0 Prozent der gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmer krankgemeldet. Dies ist einer der niedrigsten Krankenstände in Deutschland überhaupt. Die Zahlen nannte das Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Trotz der Rückgänge bleibt Berlin das Bundesland mit den meisten Krankschreibungen (vor den anderen Stadtstaaten). So wies ein Mitarbeiter in Sachsen 4,2 Prozent in Berlin aber im Durchschnitt 6,2% Fehlzeiten auf (Zahlen der AOK für 2002).
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Neben anhaltend hoher Arbeitslosigkeit sind vor allem Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur für die niedrigen Fehlzeiten verantwortlich: Der Arbeiteranteil in Industrie und Bau mit schwerer körperlicher Arbeit und überdurchschnittlich hohen Krankenständen geht zurück und die Beschäftigung im Dienstleistungsbereich steigt. Zudem wirken sich die zunehmende Beschäftigung von Frauen und Teilzeitarbeitern günstig auf den Krankenstand aus. Weitere Gründe sind ein besserer Arbeitsschutz, mehr präventive Gesundheitsvorsorge im Betrieb, die zunehmende individuelle Prämierung von niedrigen Fehlzeiten, flexible Arbeitszeiten und eine geringere Wochenarbeitszeit. Ein Grund für die niedrigen Fehlzeiten dürfte auch die Angst der Arbeitnehmer in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sein, im Krankheitsfall die Stelle zu verlieren.
Die Statistik des Bundesgesundheitsministeriums weist auch den Krankenstand nach Monaten aus. Demnach sind die meisten Fehlzeiten in den Monaten Februar und März und die geringsten Krankenstände von Mai bis September erwarten.
Friedhelm Denkeler, 24.08.2003
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