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“Qualitätsverantwortung fängt in der Spitze an
und ist nicht delegierbar!”

Ein Interview zur Unternehmensführung, über den “Kleinen Prinzen”
und zum Qualitätspreis Berlin-Brandenburg
mit Dr. Matthias Krug, Standortleiter der Knorr-Bremse Berlin.

Führung ist ein Kriterium des EFQM-Modells und beim Qualitätspreis Berlin-Brandenburg. Aber was hat Führung mit dem kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry zu tun?

Eine Führungskraft pflegt das Unternehmen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er oder sie muss analysieren, entscheiden, ausreißen. Eine Führungskraft braucht Konsequenz, muss sich manchmal zwingen und zäh auf ein Ziel hin arbeiten. Führung muss die Dinge sichtbar machen und erkennen, wo sie hin laufen. Diese Arbeit muss vorbeugend und regelmäßig passieren, auch wenn sie nicht immer schön und spannend ist. Und eine Führungskraft muss Vorbild sein.

Im besagten Buch über den kleinen Prinzen ist in einem kleinen Abschnitt alles wunderbar klar und verständlich enthalten, was eine Führungskraft und Führung ausmacht. Denken sie daran, wie der kleine Prinz jeden Morgen die Affenbrotbäume ausreißt, weil er nur so seinen Planeten davor retten kann, dass er nicht überwuchert und zerstört wird. Wir Erwachsenen – und damit sind Führungskräfte gemeint - müssen lernen, diese Bilder zu verstehen – genau wie die Vorschläge, Ideen, aber auch Sorgen und Ängste unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Was ist für Sie an Führung noch wichtig?

Führung heißt auch, erkennbar und reproduzierbar zu sein. Es muss eine Struktur geben, die sich nicht ständig ändert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen diese Struktur erkennen und auch mit tragen. Führungskräfte müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu hinführen, Dinge zu verändern. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen verstehen, warum die Dinge verändert werden müssen. Deshalb ist es wichtig, diese Strukturen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erarbeiten, sie zu beteiligen.

Sie setzen sich sehr für den Qualitätspreis Berlin-Brandenburg ein, warum?

Der Qualitätspreis Berlin-Brandenburg ist für mich das beste Podium einer Region zu zeigen, wie ernst man dort die Industrie und Dienstleistung nimmt. Denken Sie nur an die Qualitätspreise in den USA und Japan – die sind dort von nationaler Bedeutung. Selbst Bayern führt unter persönlicher Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten die Verleihung des Qualitätspreises im Rahmen eines mehrtägigen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Dienstleistungssymposiums durch. Deshalb ist der Knorr-Bremse und mir persönlich diese Veranstaltung sehr wichtig und leider noch zu wenig bekannt. Unternehmen können für ihre Qualitätsentwicklung sehr viel aus dem Wettbewerb ziehen. Und zu den Preisträgern zu gehören, ist eine schöne Anerkennung der Leistung. Und ich möchte vor allem dazu beitragen, dass sich die Industrie in Berlin und Brandenburg zu Hause fühlt.

Was hat Ihnen die Teilnahme am Qualitätspreis Berlin-Brandenburg gebracht?
Wir haben unsere Qualitätsentwicklung voran getrieben und der Qualitätspreis hat uns in die Lage versetzt, Zertifizierungen mit guter Struktur und hoch motiviertem Team zu erreichen. Das Kunden-Feedback wurde von Jahr zu Jahr besser und die Reklamationskosten sanken. Die Mitarbeitermotivation zur Erreichung und Verbesserung der Kundenzufriedenheit wurde deutlich größer.

Welche Rolle spielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Umsetzung von Qualität in Unternehmen?

Wichtig ist, dass die Führungskräfte und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Idee vollständig mit tragen. Der Geschäftsführer allein wird nicht Qualität umsetzen. Alle müssen mit machen. Schön ist dann die Motivation, die daraus entsteht, dass man einen Preis gewinnt. Bei uns hat es zum Beispiel dazu geführt, dass alle hoch motiviert daran mitgearbeitet haben, Prozessabläufe in unserem Unternehmen transparenter und stabiler zu gestalten. Aber, das ist auch ganz wichtig: Qualitätsverantwortung fängt in der Spitze an und ist nicht delegierbar.

Welche Tipps können Sie Unternehmen mitgeben, die sich am Qualitätspreis Berlin-Brandenburg beteiligen möchten?

Es ist wichtig, nicht immer alles neu oder anders zu machen. Es kommt vielmehr darauf an, die Dinge besser zu machen, also Verbesserungen anzustreben. Und als Basis muss man eine Kultur der Veränderungsbereitschaft schaffen. Wie uns das bei Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge in Berlin gelungen ist, habe ich versucht in meinem Vortrag darzustellen.
Dabei helfen oft einfache Mittel und Methoden. Es muss nicht immer kompliziert sein, aber es dauert auf jeden Fall seine Zeit. Und die Zeit sollte man sich nehmen. Sie werden nicht im ersten Jahr zur Gewinnergruppe in einem Qualitätspreis gehören. Und Qualitätsstandards werden Sie auch nicht in einem Jahr vollständig umsetzen. Deshalb ist es wichtig, mit kleinen Erfolgen zufrieden zu sein. Erwarten Sie nicht zu viel, verlangen Sie keine Quantensprünge. Die Verbesserung der Qualitätperformance ist ein langfristiger und kontinuierlicher Veränderungsprozess.

Hintergrund

Die Knorr-Bremse Berlin hat sich erfolgreich bei nationalen und internationalen Qualitätspreisen beteiligt und ist u. a. Preisträger des Qualitätspreises Berlin-Brandenburg 2006. Der Knorr-Bremse Konzern mit Sitz in München ist weltweit der führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Das heute weltweit agierende Unternehmen wurde 1905 in Berlin-Lichtenberg gegründet und ist auch heute noch ein Familienunternehmen. Mit einem zukunftsgerichteten Selbstverständnis und der Innovationskraft und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter wird Knorr-Bremse auch künftig den technologischen Wandel im Schienen- und Nutzfahrzeuggeschäft führend mitgestalten.

Friedhelm Denkeler, 30.11.2007, Quelle: RKW Berlin

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