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Feiertage streichen oder Arbeitszeit verlängern?

Wie wir der schwächelnden Konjunktur wieder auf die Beine helfen können

Je kürzer die Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich sind, desto teuer wird die Arbeit und desto weniger gibt es (dafür mehr Arbeitslosigkeit). Da wir weltweit angeblich die meisten Feiertage haben hat nun Minister Clement die Streichung von Feiertagen angeregt. Nun sollte man nicht die (insbesondere christlichen) Feiertage zur Disposition stellen. Das Problem liegt nicht darin, daß wir zu viele Feiertage haben, sondern wieviel wir zu welchem Preis arbeiten, das heißt, das Thema Arbeitszeit dürfte bei uns nicht tabu sein. Gäbe es die Bereitschaft ohne Lohnausgleich etwas länger zu arbeiten, könnten wir alle Feiertage beibehalten und gleichzeitig der schwächelnden Konjunktur auf die Beine helfen.

Eine sofortige Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde ohne Lohnausgleich, so hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dieser Tage ausgerechnet, würde das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um fast 22 Milliarden Euro steigern. Damit könnte das Wirtschaftswachstum schon 2003 mit 1,6 Prozent mehr als dreimal so hoch ausfallen wie derzeit prognostiziert (2004 um 3%). Denn in der zusätzlichen Arbeitszeit produzieren die Beschäftigten mehr Dienste und Waren zu gleich bleibenden Arbeitskosten. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird erheblich verbessert. Die Lohnstückkosten würden schon in diesem Jahr leicht sinken statt zu steigen (für 2004 um minus 0,9 Prozent). Im kommenden Jahr würde der Effekt einer Arbeitszeitverlängerung auch den Arbeitsmarkt erreichen und für neue Jobs sorgen.

Mit der Erhöhung der Erwerbstätigenzahl im Jahr 2004 erzielen die Sozialversicherungen Mehreinnahmen, und sie können ihre Ausgaben vermindern. Per saldo werden dann die Haushalte der Sozialversicherung im kommenden Jahr um knapp 1 Milliarde Euro entlastet. Die bessere Beschäftigungs- und Wachstumsperformance infolge der Arbeitszeitverlängerung wirkt sich auch positiv auf die Haushaltslage der Gebietskörperschaften aus. Nur eine Stunde Mehrarbeit sorgt beim Staat für Mehreinnahmen von in diesem Jahr gut 5 Milliarden Euro, in 2004 sogar für Mehreinnahmen von 11,9 Milliarden Euro.

Die Arbeitnehmer könnten die zusätzlichen Stunden in der Firma sicherlich verschmerzen. Schließlich verbringen sie heute rund 700 Stunden im Jahr weniger im Job als in Zeiten des Wirtschaftswunder. Der zusätzliche Einsatz zahlt sich für die Beschäftigten nicht in Euro und Cent aus. Dafür wird aber ihr Arbeitsplatz sicherer. Denn die Lohnstückkosten sinken und die Unternehmen können Rationalisierungen erst mal zu den Akten legen und dafür neue Einstellungen realisieren: 60.000 neue Jobs hat das IW ausgerechnet. Sollten wir das nicht einfach für die nächsten drei Jahre einmal ausprobieren?

Friedhelm Denkeler, 22.06.2003.

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Zoom Foto © Friedhelm Denkeler 2004

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